SV Grün-Weiß Wörlitz e.V.

Wochen der Wahrheit

News Team, 12.02.2019

Wochen der Wahrheit

LONDON/SID/DPA - Brexit oder Dexit? Mit dem Achtelfinal-Hinspiel zwischen Tottenham Hotspur und Borussia Dortmund am Mittwoch werden die deutsch-englischen Wochen in der Champions League eingeläutet. Sie sind auch eine Frage des Prestiges. Nach den Duellen zwischen dem BVB und den Spurs, Bayern München und dem FC Liverpool sowie Schalke 04 und Manchester City dürfte die Bundesliga wissen, wo sie im Vergleich mit der finanzstarken Premier League steht.

„Man hat hinterher in jedem Fall ein gutes Zwischenergebnis, ob Englands Liga, die als die weltbeste gilt, dieses Prädikat international bestätigen kann“, sagte Per Mertesacker, früher Profi und heute Leiter der Jugendakademie beim FC Arsenal, dem Kicker. Die Bundesligateams sieht er im Nachteil: „Es wäre top, wenn zwei von drei durchkämen. Das wäre ein Jackpot. Ich gehe von einer Mannschaft aus, Dortmund oder Bayern.“ Mertesackers Urteil lautet: „England steht über uns, vom Finanziellen, der Attraktivität.“

Tatsache ist: Der englische Meister Manchester City kassierte in der vergangenen Saison rund 181 Millionen Euro an Fernsehgeldern. Der deutsche Meister Bayern München mehr als 80 Millionen weniger, nämlich 98 Millionen Euro. In der Rangliste der zehn umsatzstärksten Vereine Europas finden sich für das Jahr 2018 sechs englische, aber nur ein deutscher Club. Das hat das Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen Deloitte im Januar dieses Jahres veröffentlicht.

Statistik spricht für England

Rein statistisch betrachtet, gilt das Gleiche: Von bislang 274 deutsch-englischen Duellen in der Geschichte des Europapokals gewannen die Clubs von der Insel nach einer Statistik des „Kickers“ 135. Nur 81 Mal siegte eine deutsche Mannschaft, 58 Mal gab es ein Unentschieden. Zählt man bloß zusammen, wer sich in den bislang 90 K.o.-Duellen mit Hin- und Rückspiel durchsetzte, steht es aus deutscher Sicht auch hier nur 33:57.

Allerdings werden die Champions-League-Spiele der kommenden Wochen weder im Archiv noch in der Buchhaltung entschieden. BVB-Torhüter Roman Bürki denkt ebenso. „Ich sehe Bundesliga und Premier League auf einer Ebene“, sagte der Schweizer, der mit seinem Team im Auswärtsspiel bei Tottenham den Grundstein für ein Weiterkommen legen will: „Das verspricht ein Duell auf Augenhöhe. Wenn wir unsere Leistung abrufen, können wir beide Spiele gewinnen.“

Das mit dem Gewinnen war zuletzt aber ein Problem. Beim 3:3 gegen Hoffenheim gab Dortmund zum dritten Mal in Folge eine Führung aus der Hand. Außerdem kann Nationalspieler Marco Reus, als Torjäger und Kapitän in dieser Saison nicht zu ersetzen, in London nicht spielen.

Doch auch die Spurs haben Verletzungssorgen, die Offensivstars Harry Kane und Dele Alli stehen nicht zur Verfügung. Außerdem wetterte Teammanager Mauricio Pochettino über den seiner Meinung nach „massiven“ Wettbewerbsnachteil durch die vielen Spiele in England. Die Belastungen seien „verrückt“, sagte der Argentinier und schaute neidisch auf die Bundesliga mit ihrer Winterpause.

Interesse an Insel-Talenten

Auch Mertesacker sieht die Winterpause als großes Plus in den deutsch-englischen Duellen der Königsklasse: „Diesen Faktor müssen die deutschen Vereine ausnutzen und das Tempo mitgehen. Sie dürfen sich nicht einschüchtern lassen.“

Dass die drei deutschen Champions-League-Klubs zuletzt Nachwuchsspieler aus England verpflichteten - Jadon Sancho ging zum BVB, Rabbi Matondo zu Schalke - oder es zumindest versucht haben (Bayern bei Callum Hudson-Odoi), deutet jedoch auf klare Machtverhältnisse hin. Die besten Spieler lassen sich nicht von der Insel locken - Winterpause hin oder her.

Nur ein harter Brexit, also ein Ausstieg Großbritanniens aus der EU ohne Abkommen, könnte daran langfristig etwas ändern. Denn der hätte auch weitreichende Folgen für die Premier League. Ein Brexit im Achtelfinale der Champions League gegen die deutschen Klub wäre „nur“ schlecht fürs Prestige.

Das erste Spiel zwischen Tottenham Hotspur und Borussia Dortmund am Mittwoch ab 21 Uhr überträgt der Bezahlsender Sky.


Quelle:MZ


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