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KSB-Streit vor Gericht Fehler auf beiden Seiten

Presse Team, 13.05.2019

KSB-Streit vor Gericht Fehler auf beiden Seiten

KSB-Streit vor Gericht Fehler auf beiden Seiten

Von Andreas Behling 11.05.19, 18:12 Uhr

Nach einigem Hin und Her stellte der geschasste Geschäftsführer Stephan Arnhold seine Sicht der Dinge dar.

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Alexander Baumbach

Wittenberg/Dessau -

Der Rechtsstreit zwischen Stephan Arnhold, Ex-Geschäftsführer des Kreissportbunds (KSB) Wittenberg, und seinem Arbeitgeber könnte in knapp drei Wochen zu einem Ende kommen. Den Konjunktiv zu wählen ist nötig, weil die Parteien erst noch erklären müssen, ob sie dem von Arbeitsrichter Hendrik Pache aufgenommenen Vergleich zustimmen.

Sich an beide Seiten wendend, fand Pache, es sei „dringend angeraten“, sich auf die Formulierungen einzulassen. Auch mahnte er, „alle Befindlichkeiten zurückzustellen“. Sonst müsse er einen neuen Termin von Amts wegen anberaumen.

Kündigung zum 31. März

Inhaltlich sieht der Vergleich vor, dass Arnholds ordentliche Kündigung zum 31. März 2019 wirksam wird. Der KSB soll die gegen ihn erhobenen Vorwürfe nicht aufrecht erhalten und ihm das bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses fällige Gehalt zahlen. Hingegen gelten die in die Kündigungsfrist fallenden Urlaubstage - die fristlose Kündigung hatte Arnhold am 22. Oktober 2018 erhalten - als genommen.

Der KSB soll dem ehemaligen Geschäftsführer ein wohlwollendes und qualifiziertes Arbeitszeugnis ausstellen, das seinem weiteren beruflichen Fortkommen dienlich ist. Derweil geht Arnhold die Verpflichtung ein, in jeglichen Medien keine Kampagnen gegen den beklagten KSB und dessen Vorstand zu starten. Auch soll er keine Dritten veranlassen, dies zu tun.

In der Vergangenheit, das zeigte die Verhandlung im Saal 131 des Dessau-Roßlauer Justizzentrums, war es beiden Parteien schwergefallen, auf die Verbreitung negativer Werturteile zu verzichten. „Sie haben Leute mit einem iPhone ausgestattet, weil Sie dachten, dass sind Ihre Mitarbeiter. Es sind aber Mitarbeiter des KSB. Genau das ist das Problem“, warf Rechtsanwalt Steffen Schreiber dem Kläger noch kurz vorm Diktat des Vergleichs vor.

Der Kreissportbund hatte neben Arnhold auch seinem Stellvertreter René Stepputtis gekündigt. Stepputtis soll dafür gesorgt haben, dass ihm Geld fürs Betanken von Fahrzeugen ausgezahlt wurde. Wobei sich im Zuge einer Prüfung herausstellte, dass Autos mit Benzin betankt wurden. Die Dienstfahrzeuge des KSB benötigten jedoch ausnahmslos Diesel. Er soll ferner das private Zwillingstreffen in Wittenberg mit Mitteln des Vereins finanziert haben. Aufgrund dieser Zweckentfremdung könnte der KSB sogar den Status der Gemeinnützigkeit verlieren.

Gegen Arnhold richtete sich der Vorwurf, die Einstellung eines Streetworkers zum 1. Januar 2018 vorgenommen zu haben, obwohl diese nur durch das Präsidium hätte vollzogen werden können. In Kooperation mit einem Streetworker der Diakonie war in der Folge ein Projekt „Kultur macht stark“ zur Betreuung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen angestoßen worden, für das unter Arnholds Regie bei der Deutschen Sportjugend (DSJ) Fördermittel beantragt wurden.

Hier nun hat der Kreissportbund mittlerweile das Problem, dass diverse hochwertige Gegenstände angeschafft worden sind, gegen welche die DSJ Einwände erhob.

Zweifelhaft erscheinen dem Fördermittelgeber zum Beispiel zwei aus Österreich gelieferte Stirnlampen, die übers iPhone steuerbar sind, eine Hochseeangel und drei Iso-Matten zum Stückpreis von 60 Euro. „Diese Sachen - es sollte um 30 Teilnehmer gehen, aber Listen liegen nicht vor - waren weder in dem Projekt noch außerhalb notwendig“, meinte KSB-Jurist Steffen Schreiber.

„Die Anschaffungen wurden alle vom Förderer bestätigt“, hielt Stephan Arnhold dagegen. Und Arbeitsrichter Pache konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Kreissportbund im vorigen Herbst vorm Aussprechen der Kündigung „nicht alles zu Ende ermittelte“.

Akzeptables Zeugnis erwartet

Tatsächlich bestätigten Schreiber und Katharina Louzek, Vizepräsidentin für Wirtschaft und Finanzen, dass es von Seiten des Landessportbunds (LSB) „Handlungsdruck“ gegeben habe. Von dort kam die klare Ansage, mit Stepputtis und Arnhold nicht mehr zusammenarbeiten zu wollen.

„Jetzt ist Schluss!“, soll am 17. Oktober 2018 nach einem Treffen von KSB-Präsidium und LSB verkündet worden sein. Eine Woche zuvor hatte der KSB erste belastende Ergebnisse gegen die beiden Geschäftsführer zusammengetragen.

„Ich würde das Kapitel gern abschließen, um nach vorne blicken zu können“, gab Arnhold zu. Insbesondere sei ihm an einem akzeptablen Arbeitszeugnis gelegen. Ohne ein solches Dokument finde er in Wittenberg keine neue Anstellung. „Irgendwann ist auch mein Budget erschöpft. Da geht es um zwei Kinder und die Wohnung“, gab er zu bedenken. Andererseits bestehe kein Anspruch darauf, dies erklärte Hendrik Pache, dass in einem Zeugnis die Note „Gut“ auftauche.