SV Grün-Weiß Wörlitz e.V.

Sturmis Fußball-Tempel

Presse Team, 05.11.2019

Sturmis Fußball-Tempel

Lokales / Land und Leute

Sturmis Fußball-Tempel

Matthias „Atze“ Döschner, Martin Hoffmann, Uwe „Sturmi“ Sturm und Jörg „Flocke“ Weißflog (v.l.) im neuen Privatmuseum. (Klitzsch)

VON TILO KRIPPENDORF

GOSSA/MZ Uwe Sturm ist ein Getriebener, der es immer wieder schafft, andere für seine Sache mitzureißen. Sein bislang größter Traum ist nun Wirklichkeit geworden. Bei Gossa hat der 45-Jährige ein Häuschen gebaut, das nur einem Zweck dient: den DDR-Profifußball vor dem Vergessen zu retten.

Beim Betreten des Flachbaus weiß man nicht, wohin man schauen soll. Trikots verschiedener Oberliga-Vereine hängen neben Manschettenknöpfen und Urkunden. Eine Schaufensterpuppe mit typisch blauem DDR-Trainingsanzug steht neben einer Vitrine voller Vereins-Aschenbecher und beschrifteter Gläser. Abgewetzte Fußballschuhe baumeln an einem Regal, an einer Wand steht eine alte Bank einer Umkleidekabine. Alles hier sind Stücke mit großem Seltenheitswert, wenn nicht gar Unikate. Sturm hat sich einen Fußball-Tempel gebaut.

„Ich möchte die Geschichte bewahren, nur darum geht es“, sagt „Sturmi“, wie ihn auch die Fußball-Legenden nennen bei der Eröffnung unter Tränen. Hier geht es nicht nur um Sport und Geschichte, sondern vor allem um Emotionen. In den vergangenen Jahren hatte Sturm einen Teil seiner ständig wachsenden Sammlung in zwei kleinen Räumen in der Nähe untergebracht. Nun also ein Haus für die Fußball-Zeitreise, nach Anmeldung beim Hausherrn für jedermann möglich.

Zur Eröffnung kamen allerdings nicht irgendwelche Fußball-Fans, sondern diejenigen, denen Sturm seine ganze Energie widmet: die Ex-Fußballer, die in der Oberliga spielten und die die DDR bei der Weltmeisterschaft 1974 vertraten oder bei Olympia 1976 zur Goldmedaille kickten.

Martin Hoffmann beispielsweise, der in Montreal im olympischen Finale gegen Polen ein Tor erzielte und mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Silber ausgezeichnet wurde. Oder Jörg „Flocke“ Weißflog, der in der Nationalelf den Kasten sauber hielt und gerne selbst mal ein Tor schoß. Auch Matthias „Atze“ Döschner, vielseitiger 40-facher DDR-Nationalspieler, kam zur Eröffnung und zeigte sich begeistert. „Was Sturmi hier geschaffen hat, ist wirklich einmalig. So etwas gibt es nicht noch mal“, sagte Döschner sichtlich bewegt. Es ist seine Geschichte, die hier erhalten wird. „Für mich ist es deshalb auch eine Wertschätzung für die geleistete Arbeit, hierher zu kommen“, so Döschner. Und Sturm, der hauptberuflich als Betreuer in einer Behinderteneinrichtung arbeitet, will sein „DDR Fußball Museum Sachsen-Anhalt“ aber nicht zu sehr für die Öffentlichkeit öffnen. Zu groß wären für ihn Aufwand und die behördlichen Auflagen. Außerdem will er die Kontrolle behalten - also genau wissen, wer seinen Schätzen nahe kommt.

Am Samstag waren es seine Fußballidole, die inmitten alter Wimpel, Trikots und Erinnerungen mit ihm zusammensaßen, Bier tranken und Geschichten erzählten. Uwe Sturm wäre aber ohne neuen Traum nicht „Sturmi“. Natürlich geht es auch dabei um „seine Jungs“, die Fußballer des verschwundenen Staates. „Zu meinem 50. Geburtstag möchte ich mit ihnen in meinem Heimatort Möhlau spielen.“

Uwe Sturm ist für Anfragen unter der E-Mail-Adresse sturmi242@t-online.de zu erreichen.

Uwe Sturm

Fußball-Fan


Quelle:MZ