SV Grün-Weiß Wörlitz e.V.

Prokops Problem-Wolff

News Team, 15.01.2020

Prokops Problem-Wolff

RONDHEIM/SID Andreas Wolff war mächtig angefressen. Mit grimmigem Blick marschierte der Torhüter der deutschen Handballer durch die Katakomben der Spektrum Arena in Trondheim, reden wollte er nicht. Nicht über den Zittersieg gegen Lettland, nicht über die insgesamt schwache Vorrunde seines Teams bei der Europameisterschaft und schon gar nicht über sein offensichtliches Formtief.

Zum Vorrunden-Abschluss gegen die lettischen EM-Debütanten (28:27) bekam Wolff nicht einen Ball an die Finger. Schon gegen Spanien (26:33) hatte der Keeper nur den ersten der insgesamt 16 Würfe auf sein Tor pariert - seitdem kassierte er matchübergreifend 21 Gegentore am Stück. Der sonst so gute Wolff ist plötzlich zum Problem-Wolff geworden.

„Er hat sich mit Sicherheit einen anderen Job vorgestellt“, sagte Bundestrainer Christian Prokop. Auch er selbst habe durch Wolffs Einwechslung in der zweiten Halbzeit gegen Lettland darauf gehofft, „dass er uns noch einmal ein, zwei Paraden gibt, so dass wir sicherer in die Schlussphase kommen“. Doch daraus wurde nichts. Wolff, der mit 41 Prozent gehaltener Bälle bislang im ersten Vorrundenspiel gegen die Niederlande noch überzeugt hatte, steckt vor der am Donnerstag in Wien beginnenden Hauptrunde im Leistungsloch.

„Ich mache mir keine Sorgen“, sagte Prokop mit Blick auf die nächste Turnierphase und seinen Problem-Wolff im Tor: „Wenn wir unsere Abwehr- und Torhüterleistung wieder auf ein richtig gutes Niveau bringen, dann ist es schwer, uns zu schlagen.“ Der Coach weiß aber auch: Rufen seine Torleute ihr unbestritten vorhandenes Leistungsvermögen nicht ab, könnte es schon zum Hauptrundenauftakt gegen Weißrussland eine böse Überraschung geben.

Beiden Torhütern fehlt im bisherigen Turnier Konstanz. Auf die gesamte Vorrunde gerechnet, kommt Wolff auf eine mäßige Fangquote von 25 Prozent, Nationalmannschafts-Rückkehrer Johannes Bitter liegt mit 24 Prozent sogar noch leicht darunter. Die besten 15 Torhüter des bisherigen EM-Verlaufs lagen allesamt bei über 30 Prozent. „Wir sehen, dass wir auf der Torhüterposition noch einen deutlichen Schritt nach vorne machen können“, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning bei RTL. Wie Wolff blieb auch Bitter gegen biedere Letten mit einer Fangquote von 19 Prozent blass. „Ich habe mich nicht richtig freischwimmen können. Gefühlt war das alles ein bisschen verkrampft“, sagte Bitter.

Diese Verkrampfung gilt es nun schnell zu lösen. Nur mit Bitter und Wolff in Topform hat das deutsche Team eine Chance. „Ich bin mir sicher, dass die beiden einen guten Job machen werden“, sagte Prokop. Und Bitter beteuerte: „Die Vorrunde war unser Aufgalopp. Ich bin froh, dass wir aus Trondheim weg sind. In Wien geht das Turnier jetzt richtig los.“

Die dürftige Form der Torhüter steht exemplarisch für die Form der ganzen Mannschaft. „Wir sind gerade nicht in den Leistungssphären, die wir für ein eventuelles Halbfinale bräuchten, das ist klar“, sagte Prokop. Von den Medaillen sei man „im Moment ein bisschen weit weg, aber das heißt nicht, dass wir uns da nicht noch ranrobben können“. Das Weißrusslandspiel wird der Fingerzeig.

Johannes Bitter

Torwart


Quelle:MZ