SV Grün-Weiß Wörlitz e.V.

Hoffnung auf eine neue Fußballwelt

News Team, 27.03.2020

Hoffnung auf eine neue Fußballwelt

FRANKFURT (MAIN)/SID Vielleicht ist genau das ja diese „neue Fußball-Welt“, über die Uli Hoeneß sinniert: Solidarität statt Egoismus. Starke, die auch mal den Schwachen helfen. Ein Hoffnungsschimmer in kritischen Zeiten ist die selbstlose Spende von Bayern München und Co. allemal. „Diese Aktion unterstreicht, dass Solidarität in der Bundesliga und der zweiten Liga kein Lippenbekenntnis ist“, sagte DFL-Boss Christian Seifert: „Das DFL-Präsidium ist den vier Champions-League-Teilnehmern sehr dankbar im Sinne der Gemeinschaft aller Klubs.“ Gemeinsam mit Borussia Dortmund, RB Leipzig und Leverkusen zahlen die Bayern 20 Millionen Euro in einen Topf ein, der in Not geratenen Vereinen in der Coronakrise helfen soll.

„Wir haben immer gesagt, dass wir uns solidarisch zeigen werden, wenn Klubs unverschuldet durch diese absolute Ausnahmesituation in eine Schieflage geraten, die sie allein nicht mehr beherrschen können“, sagte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. 12,5 Millionen Euro der Summe sind Rücklagen der Deutschen Fußball Liga (DFL) aus TV-Erlösen, die eigentlich den vier Klubs zustehen würden. Das restliche Geld steuern sie aus eigenen Mitteln bei.

„Jetzt muss Solidarität gelebt, nicht nur erzählt werden“, forderte Hoeneß im „Kicker“ - bezogen auf die gesamte Gesellschaft, nicht nur im Fußball. Der langjährige Bayern-Präsident, dessen Verein in der vergangenen Saison einen Umsatz von 750,4 Millionen Euro auswies (336,2 Millionen Euro Personalkosten), bezeichnete die Situation als „eine Gefahr“, sieht in ihr aber auch die Chance, „dass die Koordinaten etwas verändert werden können. Es wird sehr wahrscheinlich eine neue Fußballwelt geben“.

Wie diese vorerst in Deutschland aussehen wird, darüber entscheiden die 36 DFL-Vereine am Dienstag bei der virtuellen DFL-Mitgliederversammlung. Neben der Saisonplanung geht es auch um die wirtschaftlichen Folgen der Pause, unter Umständen ist die Aktion des Quartetts ja nur der Anfang einer Welle der Solidarität. Die DFL, die für die Verteilung aus dem „Hilfstopf“ zuständig sein soll, wird es hoffen.

Dass die Solidarität nun dauerhaft Bestand haben wird, darf jedoch zumindest angezweifelt werden. Der Verzicht der vier Champions-League-Starter, die schon in der vergangenen Woche über ihren Plan beratschlagt hatten, soll wegen der Corona-Pandemie eine einmalige Solidaraktion sein.

Skepsis ist bereits vorhanden, unter anderem bei Steffen Baumgart. „Eines habe ich in den Jahren gelernt“, sagte der Trainer des Bundesliga-Schlusslichts Paderborn: „Es wird, auch in Krisen oder nach schlimmen Vorfällen, sehr viel geredet und theoretisiert. Wir dürfen nicht blauäugig sein und glauben, alles wird besser oder vernünftiger.“ Genau das glaubt aber Hoeneß, zumindest vorübergehend erwartet er eine Regulierung.

Irrwitzige Gehälter? Dreistellige Millionenbeträge für Transfers? „Das kann ich mir in der nächsten Zeit nicht vorstellen“, mutmaßte der 68-jährige Hoeneß: „Die Transfersummen werden fallen, die Beträge werden sich in den kommenden zwei, drei Jahren nicht mehr auf dem bisherigen Niveau bewegen können. Denn es sind ja alle Länder betroffen.“ Und damit tatsächlich die Chancen gegeben, eine neue Fußball-Welt zu erschaffen.

Steffen Baumgart

Paderborn-Trainer


Quelle:MZ